Breuer - der Netzwerker

Zuerst bei seinem Vater, später bei seiner Schwester und zuletzt bei seinem 15 Jahre älteren Bruder musste sich der junge Breuer nach dem frühen Tod der Mutter schnell auf neue Situationen und Begebenheiten einstellen und dabei soziale Kontakte knüpfen und pflegen. Auf diesem »Lebensweg« erfuhr er, wie wichtig und entscheidend Kontakte innerhalb und außerhalb der Familie sein konnten. Aber auch, wie prägend und fruchtbar der Austausch von Ideen war. Diese in jener Zeit erworbenen Fähigkeiten, heute würde man vermutlich von »Soft Skills« sprechen, nutzte Breuer nicht nur zu seinem eigenen Vorteil – im Gegenteil. Breuer wurde zum Fürsprecher derer, die keine Stimme hatten, er wurde zu einem Lobbyisten im besten Sinne.

Ein wirkungsvoller Teamplayer

Breuer erkannte schon früh, dass (s)eine Idee, zur rechten Zeit und am rechten Ort verkündet, kleine Wunder bewirken konnte. Unterstützt von Menschen mit der rechten Einstellung und Einfluss in Kirche, Gesellschaft, Politik und Wirtschaft, wurde Breuers Idee eines »Gesellenvereins« sogar eine Welt umspannende Erfolgsgeschichte, auch wenn er dies zu Lebzeiten sicher nicht absehen konnte. Was Breuer mit dem »Armen-Kranken-Verein« begann, führte er unter anderem mit der Gründung eines Spar- und Darlehensvereins als Hilfe zur Selbsthilfe für Arbeiter weiter. Darüber hinaus arbeitete er an der Verbindung der katholischen Kreditvereine im Rheinland untereinander. Aus ihren Versammlungen von 1868 an – sie nannten sich „christliche Sozialisten“ – erwuchsen unter Breuers Führung Anträge und Eingaben an die Generalversammlung katholischer Vereine, der späteren Katholikentage. Er machte Politik. Aus diesen Bestrebungen heraus organisierte Breuer erfolgreich die Einführung und den Wahlkampf der christlich-sozialen Partei zur ersten Reichstagswahl 1871 in Elberfeld.

Aktuell

Christsein mit seinen sozialen Auswirkungen ist immer auch politisch. Wenn wir uns heute für die „Option für die Armen“, die Aufnahme von Geflüchteten, Schöpfungsverantwortung und vieles mehr konkret vor Ort engagieren, so hat das immer auch Einfluss und Auswirkungen auf die Gesellschaft. Und Breuer wäre mit von der Partie mit seiner Haltung: Nicht zu schweigen, sondern Einzutreten für die Veröffentlichung von Missständen und Lösungen für deren Abschaffung zu finden.